Univox Umwelt 2015: Drei von vier Personen für Energiewende

Die Schweizer Bevölkerung ist sich der Gefahr des Klimawandels bewusst.

Besonders die Politik wird für die Lösungsfindung und zur Entwicklung von Klimaschutzmassenahmen in die Verantwortung genommen. Dies zeigt die repräsentative Univox Umwelt 2015 Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts gfs-zürich in Zusammenarbeit mit dem WWF Schweiz.

(Lesen Sie den ganzen Bericht unter: Univox Umwelt 2015)

Fokus: Klimawandel

Die Veränderung des Klimas hat erhebliche Auswirkungen auf die Flora und Fauna der Erde und wird heute allgemein als grosses Umweltproblem anerkannt. Deshalb stand der „Klimawandel“ bei UNIVOX Umwelt 2015 neben „Umwelt und Gesundheit“ und „Luftverschmutzung“ im Fokus.

Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sehen die Gefahr, die vom Klimawandel ausgeht (69%). Wenn es nach der Mehrheit der Schweizer geht, sollte die Politik mehr gegen die Klimaerwärmung tun (61%), gefolgt von dem Wunsch, dass die Schweiz Klimaschutzmassnahmen umsetzen sollte, um von Erdöl unabhängiger zu werden (58%).

Wie bereits im Jahr zuvor wird auch im 2015 die Energiewende von der Mehrheit der Schweizer Bevölkerung als etwas Positives konnotiert (77%; 2014: 77%). Grundsätzlich zeigt sich, dass für mehr Personen die Energiewende der Wirtschaft Vorteile bringen (46%; 2014: 44%). Nachteile für selbige sehen lediglich 15% (2014: 15%). Für jeden Dritten (34%; 2014: 31%) halten sich die Vor- und Nachteile der Energiewende die Waage. Davon, dass die Energiewende auch gelingen kann, ist die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung (57%; 2014: 55%) überzeugt.

 

Fokus: Gesundheit und Umweltbelastungen

In der diesjährigen Befragung wurde das Thema Gesundheit in Zusammenhang mit den Umweltbelastungen eingehender betrachtet. Es zeigt sich, dass knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung der Meinung ist, dass die Ernährung (48%) die Gesundheit beeinflusst, gefolgt von Sport bzw. der Bewegung im allgemeinen (28%) und dem Lebensstil (17%). In Bezug auf die Fragen, welchen Einfluss die Umweltbelastungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben, sehen 85% der Befragten darin eine grosse oder sehr grosse Gefahr. Vor allem die Luftverschmutzung durch Abgase/Smog sehen 43% der Schweizer Bevölkerung als eine Umweltbelastung an, die der Gesundheit besonders schadet. Als Hauptverursacher der Luftverschmutzung wird mit 47% der Strassenverkehr genannt.

 

Fokus: Luftverschmutzung

Jeder Zweite (50%) Schweizer Bürger gibt an, eine Verbesserung der Luftqualität in den letzten 10 Jahren festgestellt zu haben. Jedoch sind sie gleichzeitig auch der Meinung, dass viel mehr (45%) bzw. durchaus etwas mehr (36%) unternommen werden kann, um die Luftverschmutzung weiterhin zu verringern (insg. 81%). Das Bemühen eines jeden Einzelnen zur Verringerung der Luftverschmutzung wird dabei als wichtiger Faktor erachtet (42% von insg. 81%). Immerhin geben 39% aller Befragten an, ihr Verhalten bereits zum Wohle der Luftqualität geändert zu haben: Am häufigsten wurde dabei das Autofahren reduziert (24%) bzw. vermehrt die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt (15%).

81% erklären sich bereit, mehr für ein Produkt zu bezahlen, wenn dadurch die Belastung durch die Luftverschmutzung reduziert werden könnte.

Umweltgerechtes Verhalten kann mittels verschiedener Instrumente gefördert werden. Ein „öffentliches Ökolabel“ wird von 54% (2013: 58%) als ein erfolgsversprechendes Instrument gesehen, gefolgt von „finanziellen Abgaben auf umweltbelastende Produkte“ (53%; 2014: 52%) und „öffentlichen Kampagnen zur Förderung von umweltgerechtem Verhalten“ (50%; 2014: 54%).

 

Die dringlichsten Umweltprobleme der Schweiz

Im Univox 2015 wurde die Bevölkerung zum zweiten Mal in Folge offen danach gefragt, welche Umweltprobleme in der Schweiz am dringlichsten gelöst werden sollten. Die Luftverschmutzung/Verschmutzung durch Abgase (14%; 2014: 11%) sowie die Belastung durch den Verkehr (13%; 2014: 10%) werden am häufigsten genannt. Ebenfalls häufig angeführt wird das Thema Atomenergie/Sicherheit/Entsorgung radioaktiver Abfälle und Atomausstieg (10%; 2014: 9%).

Ein leicht verändertes Bild ergibt die Auswertung der Frage nach der Gefahr vorgegebener Umweltprobleme. Dabei werden Chemikalien, Biozide und Pestizide an erster Stelle als hohe oder sehr hohe Gefahr angesehen (83%; im 2014 nicht erhoben), gefolgt von der Energiegewinnung durch Kernkraftwerke (70%; 2014: 69%). Es folgen die Gentechnik in der Lebensmittelherstellung (70%; 2014: 66%), der Klimawandel (69%; 2014: 69%) der Verbrauch von natürlichen Ressourcen (67%; 2014: 69%), (66%; 2014: 64%) der motorisierte Verkehr und (65%; 2014: 64%) der Verlust der Biodiversität. Die Ausbreitung der Siedlungsflächen wird auch im 2015, ein Jahr nach der Ecopop-Initiative, von mehr als der Hälfte der Befragten (57%; 2014: 58%) als Gefahr wahrgenommen. Am wenigsten häufig werden die Gentechnik in der Medizin und Forschung (45%; 2014: 46%) sowie die Mobilfunkantennen (43%; 2014: 44%) als gefährlich eingestuft.

Selbsteinschätzung von Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

Im Vergleich zum Vorjahr schätzt sich die Bevölkerung auch im Jahr 2015 wieder als recht umweltbewusst ein. Nachdem bereits im 2014 Umweltthemen wieder stärker ins Bewusstsein der Schweizer Bevölkerung getreten sind, hat der Anteil derer, die ihr Umweltbewusstsein über dem Bevölkerungsdurchschnitt einschätzen, in diesem Jahr das gleiche Niveau erreicht (+1 Prozentpunkt auf 58%; 2014: 57%). Ähnlich verhält es sich mit dem Anteil derjenigen, welche ihr Umweltverhalten (+2 Prozentpunkte auf 50%; 2014: 48%) bzw. ihr Verständnis der Umweltzusammenhänge (+2 Prozentpunkte auf 54%; 2014: 52%) als überdurchschnittlich beurteilen. Unterschiede in der Einschätzung des eigenen Umweltverhaltens und
–wissens zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen haben gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

 

Technik als Lösung von Umweltproblemen praktisch unverändert tief

Der Glaube an eine technische Lösung der Umweltproblematik ist 2015 (61% Skepsis-Index; 2014: 60%; 2013: 62%; 2012 59%) im Vergleich zu den Vorjahren praktisch unverändert. Den höchsten Zustimmungsanteil (70%) erfährt auch im 2015 (2014: 69%) die Aussage, dass die moderne Industriegesellschaft die Natur in gefährlicher Weise missbrauche, gefolgt von der Aussage, dass die Risiken der Kernenergie nicht tragbar sind (64%; 2014: 62%). Bis auf die Aussage, dass die Umweltprobleme im Wesentlichen durch neue Techniken und Erfindungen gelöst werden können, stimmt die Schweizer Bevölkerung in diesem Jahr eher den technikkritischen Aussagen zu.

Frauen sind auch in diesem Jahr technikkritischer als Männer. Zwischen den Landesteilen gibt es auch im Jahr 2015 keine signifikanten Unterschiede.

 

Massnahmen des Staates zugunsten des Umweltschutzes werden weiterhin gefordert

Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (51%; 2014: 59%) sind 2015 der Meinung, dass zu Gunsten des Umweltschutzes an anderen Orten gespart werden soll. Trotz des hohen Anteils setzt sich damit ein Abwärtstrend der im Jahr 2010 seinen Anfang zu nehmen scheint weiter fort.

Die Bevölkerung unterstützt 2015 jedoch auch weiterhin alle behördlichen Massnahmen zugunsten des Umweltschutzes. Es gibt in allen Bereichen deutlich mehr Personen, die finden, man sollte mehr tun, als solche, die denken, man sollte weniger tun. Den grössten Handlungsbedarf sieht die Schweizer Bevölkerung, wie bereits in den letzten Jahren, beim Energiesparen (70%, -2%-Punkte), gefolgt von der Verringerung schädlicher Abgase (65%, +4%-Punkte). Ein Zeitvergleich über die Jahre 2011 bis 2015 zeigt, dass vor allem der „Schutz vor Risiken der Gentechnologie“ (53%; 2011: 42%) und der „Lebensmittelschutz/Lebensmittelkontrolle“ (50%; 2011: 39%) mit jedem Jahr an Relevanz gewonnen haben. Nach dem die Forderung nach mehr Lärmbekämpfungsmassnahmen von Seiten der Behörden 2014 stark an Zustimmung verloren hatte (42%, -6%-Punkte zum Jahr 2013), gewann sie 2015 wieder +2%-Punkte hinzu. Lediglich in Puncto Lärmbekämpfung überwiegt der Anteil der Personen, die angeben, dass die Bemühungen gerade richtig sind (46%). Die Forderung nach mehr Lärmbekämpfung liegt damit an letzter Stelle, obwohl der Verkehrslärm bei offenem Fenster als störendster Umwelteinfluss zu Hause gilt (nichtstörend 68%, störend 32%). An zweiter Stelle steht, wie bereits im 2014, die Luftverschmutzung rund ums Haus (nichtstörend 68%, störend 31%), gefolgt vom Licht der Strassenbeleuchtungen (nichtstörend 76%, störend 24%) sowie den Starkstromleitungen und Mobilfunkantennen (nichtstörend 76%, störend 22%).

 

Studiendesign

Für die Befragung 2015 der UNIVOX Umwelt Studie wurden vom Forschungsinstitut gfs-zürich vom 28. Oktober bis 21. November 2015     insgesamt 1013 telefonische Interviews in der deutschen und der französischen Schweiz im Auftrag von gfs-zürich und des WWF Schweiz realisiert.

 

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